Wie Sie mit visueller Kommunikation Ihre Produktivität steigern

„When words and visual elements are closely intertwined, we create something new and we augment our communal intelligence.“  (Horn, 2001)

Menschen denken visuell. Bevor sie etwas aussprechen, haben sie ein – mehr oder weniger klares – Bild im Kopf. Wenn sie jemandem zuhören, bilden sie sich ebenfalls ein Bild im Kopf. Probieren Sie es einmal aus!

Gleichzeitig nutzen Menschen im persönlichen Gespräch fast nie Bilder. Sie sprechen einfach über ein Thema und hoffen, dass ihr Gegenüber die gleiche Vorstellung hat, wie sie. Doch ist das möglich? Haben Sie es schon einmal wirklich hinterfragt?

Die Tangram-Übung

Kennen Sie das Tangram? Es entstand irgendwann zwischen dem 8. und 4. Jahrhundert v.Chr. (Wikipedia) und beinhaltet 7 Steine in einfachen geometrischen Figuren (s. Abb. 1). Zudem liegen dem Spiel verschiedene Vorlagen von Figuren bei, die aus den sieben Teilen gelegt werden können.

Visuelle Kommunikation mit dem Tangram
Abb. 1: Tangram

Je zwei Spieler setzen sich Rücken an Rücken. Einer erhält das Spielbrett mit den Steinen, der andere die Vorlage. Nun muss derjenige mit der Vorlage das Bild so genau wie möglich beschreiben, während der andere dieses Bild legt.

Sie können das selbst probieren. Drucken Sie sich die Abb. 1 zweimal aus und schneiden Sie die Teile aus. Geben Sie einem Mitspieler ein Set der Teile. Einer von Ihnen denkt sich nun eine Figur aus und beschreibt sie anschließend dem anderen. Beginnen Sie möglichst einfach.

Was hat das Tangram mit visueller Kommunikation im Business zu tun?

Wie leicht ist Ihnen die Tangram-Übung gefallen? Konnten Sie immer das gleiche Bild legen?

Wahrscheinlich nicht. Denn Sie haben ganz andere Erfahrungen und Kenntnisse als Ihr Spielpartner. Sie können Ihr Bild nur auf Basis dieser legen. Erklärt Ihr Spielpartner etwas anderes, dass nicht in Ihr Bild passt, sind Sie verwirrt, überhören einfach die Anweisungen oder glauben, dass Ihr Gesprächspartner es wahrscheinlich nur falsch beschreibt. Und das ohne jede böse Absicht! Das liegt in der Natur des Menschen und der Funktionsweise des Gehirns.

Stellen Sie sich nun vor, Sie möchten ein erklärungsbedürftiges, komplexes oder innovatives Produkt beschreiben. Nur mit Worten. Sie werden sich Ihren Mund fusselig reden und am Ende sind sowohl Sie als auch Ihr Gesprächspartner frustriert.

 

Oder Sie beginnen damit, Ihr Thema in eine PowerPoint Folie im Corporate Design zu "pressen".

Ist das zu erklärende Produkt nun kompliziert, ist auch die Abbildung auf der Folie häufig kompliziert und ziemlich unübersichtlich. Während Sie sich nun also bemühen, dieses schwierige Bild zu erklären, versucht Ihr Gesprächspartner auf eigene Faust dieses zu durchblicken. Sein Fokus liegt somit nur noch auf der Abbildung, Ihren Erklärungen kann er nicht mehr folgen.

Ist er mit seinen Erkundungen fertig, werden dann Fragen zu Punkten kommen, die Sie eigentlich schon erklärt haben. Kennen Sie das? .

Schließlich sind erklärungsbedürftige und innovative Produkte meist keine Lösungen von der Stange. Sie werden stattdessen individuell auf jeden Kunden zugeschnitten. Genauso individuell muss das Bild sein, das sie beschreiben muss. Andernfalls muss Ihr Gesprächspartner zu viel Denkleistung erbringen, um die allgemein dargestellte Lösung auf seine eigenen Bedürfnisse und Anforderungen abzuändern.

Besser zuhören und visualisieren mit Tangram
Abb. 2: Tangram spielen - macht Spaß und bringt viele neue Erkenntnisse

Wie kann nun die visuelle Kommunikation im Business helfen?

Visuelle Kommunikation ist heutzutage hauptsächlich im Rahmen des Marketings bekannt (Sammer & Heppel, 2015). Plakate, Flyer, Fernsehwerbungen, … alles beruht auf Bildern und Geschichten, dem Visual Storytelling. Dazu gibt es sogar Studiengänge.

Im direkten Gespräch ist die visuelle Kommunikation genauso möglich – nur in einer anderen Form (vgl. auch (Pfister, 2013)). Anstatt starrer Bilder oder fertiger Videos, die auf möglichst viele Menschen der Zielgruppe passen müssen, ist die visuelle Kommunikation im Gespräch viel individueller. Sie zeichnen live auf dem Papier oder dem Tablet und können so die Präsentation direkt an das Gesprochene und die Bedürfnisse Ihres Gesprächspartners anpassen. Erlebt haben das die meisten in ihrer Schulzeit, als noch auf Tafeln visualisiert wurde.

Sie haben so die Möglichkeit, Emotionen zu steuern. Freude, aber auch Traurigkeit, Glück, Mut, Stärke, … können Sie punktgenau auslösen. Ihr Gesprächspartner fühlt sich dadurch wertgeschätzt, denn er sieht und spürt, dass dieses Bild nur für ihn entsteht. Das sich langsam aufbauende Bild entfaltet seine Wirkung ähnlich wie ein Film. Es erzeugt Spannung, denn ständig fragt sich Ihr Gesprächspartner, was da wohl entsteht. Gleichzeitig ist er aber ganz bei Ihnen, denn sein ganzer Fokus liegt auf Ihrem Bild und Ihren dazu passenden Erklärungen. Er ist nicht mehr damit beschäftigt, sich sein eigenes Bild in seinem Kopf aufzubauen. (Erfahren Sie mehr dazu: Wie Sie es schaffen, im Business die gleiche Sprache zu sprechen)

Nehmen Sie lieber die Abkürzung? Dann fangen Sie jetzt an!

Sie merken, solch ein Gespräch, in dem Sie die visuelle Kommunikation nutzen, ist wesentlich schneller. Wyzowl gibt an, dass Visualisierungen 60.000 Mal schneller verarbeitet werden, als reiner Text. Zudem zeigte danach der Psychologe Albert Mehrabian, dass 93% der Kommunikation nonverbal ist. Also, warum weiter nur Erklärungen verwenden?

Sie nutzen mit Visualisierungen, speziell mit der Live-Visualisierung, quasi die Abkürzung zu Ihrem Gesprächspartner, dessen Gefühlen und Kenntnissen. Denn Sie umfahren die vielen Missverständnisse im Gespräch. Sie werden wesentlich schneller und können Ihre Produktivität somit deutlich steigern.

Das bestätigt auch der Softwarehersteller SAP. Sie nutzen seit Februar 2016 als größter europäischer Softwarehersteller die Methode des Visual Selling für einen erfolgreichen Vertrieb im virtuellen Raum, um komplexe Kundenlösungen verständlich darzustellen und schneller zu überzeugen. Der Virtual Live Classroom „The Art of Visual Selling - for an effective customer dialog“ ermöglichte es der SAP, mehr als 600 Mitarbeiter im Vertrieb global in der visuellen Kommunikation auszubilden (Stand Q1/2017).

Durch eine unabhängige Studie des Datenanalysten EMPLAY konnte gezeigt werden: Die Teilnehmergruppe hat im Vergleich zu einer Kontrollgruppe von 6000 anderen Vertriebsmitarbeitern eine Erhöhung bei den verkauften Einzelprodukten um 22% erzielt. Zudem konnte eine Verkürzung des Vertriebszyklus um 30% erreicht werden.

Wollen Sie starten?

Dann legen Sie einfach los! Doch wie sollten Sie beginnen? Oder denken Sie auch, dass Sie gar nicht zeichnen können?

Dann kann ich Sie beruhigen. Als Kind hat jeder gemalt und gezeichnet. Empfanden Sie als Kind, es nicht zu können? Wahrscheinlich nicht. Also graben Sie Ihre Künste wieder aus.

Und das Tolle ist: Bei der visuellen Kommunikation kommt es weder auf Schönheit, noch auf Perfektion an. Es kommt einfach darauf an, dass Ihr Gesprächspartner jetzt in diesem Moment Ihres Gespräches das Bild verstehen soll. Zusammen mit Ihren Erklärungen kann er das sehr gut.

Hier ein kleines Beispiel: Schauen Sie sich Abb. 3 an. Was sehen Sie?

Pferde, Esel, Giraffe, ...? - Visuelle Kommunikation im Business
Abb. 3: Welches Tier sehen Sie?

Und wenn ich Ihnen sage, dass es ein Pferd ist, was sehen Sie jetzt?

Sie sehen, es ist ganz einfach. Vertrauen Sie auf sich selbst und üben Sie bei jeder Gelegenheit. Dann können Sie nur besser werden. Für die visuelle Kommunikation im Business brauchen Sie deshalb kein Bikablo, Sie brauchen nur den ersten Schritt, um zu zeichnen.

Und übrigens: Auf dem Erlebniskongress für visuelle Kommunikation im Business können Sie das erleben, selbst ausprobieren und mit anderen experimentieren. Schauen Sie doch mal vorbei! (Hier geht es zu den Tickets.)

Haben Sie schon die visuelle Kommunikation für sich ausprobiert? Wie ist Ihre Erfahrung dazu? Schreiben Sie Ihre Antwort in den Kommentar.

Literaturverzeichnis

Horn, R. E. (2001). Visual Language and Converging Technologies in the Next 10-15 Years (and Beyond). Converging Technologies (Nano-Bio-Info-Cogno) for Improving Human Performance (S. -). San Francisco: Stanford University.

Pfister, R. A. (17. Mai 2013). The Benefits of Sketching for Management. Literature Review and Experimental Evaluation. -. Krumbach, Bayern, Deutschland: Frick Onlinedruckerei e.K.

Sammer, P., & Heppel, U. (2015). Visual Storytelling: Visuelles Erzählen in PR & Marketing. Heidelberg: dpunkt.verlag GmbH.

Wyzowl. (-. - -). The Power of Visual Communication Infographic. Abgerufen am 21. Juni 2017 von Exceptional Hand Crafted Animated Explainer Videos: https://www.wyzowl.com/infographic-the-power-of-visual-communication.html

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